Tanz der Sinne – der Körper als Raumeroberer
Im Rahmen des Projekts „Tanz der Sinne – der Körper als Raumeroberer“ wurde ein innovativer, tanzpädagogische Ansatz für Kinder im Kindergartenalter realisiert. Ziel war es, über Bewegung, Sinneserfahrung und kreativen Ausdruck einen intensiven Zugang zur körperlichen Selbstwahrnehmung, sozialen Interaktion und räumlichen Orientierung zu ermöglichen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass der menschliche Körper
als zentrales Medium der Raumerfahrung dient, wurde der Körper selbst zum Ausgangspunkt und Forschungsinstrument für die Kinder.
Im Zentrum stand die Sensibilisierung für den eigenen Körper und die physische Umgebung. Dabei wurde zeitgenössischer Tanz als methodisches Instrument genutzt, um die motorische, emotionale und soziale Entwicklung der Kinder ganzheitlich zu fördern. Die Idee, dass Raum nicht nur physisch, sondern auch emotional und atmosphärisch erlebbar ist, wurde konsequent in die Projektgestaltung einbezogen.
Das Projekt gliederte sich in drei aufeinander aufbauende Phasen:
In der ersten Phase (Impulsphase) lag der Schwerpunkt auf der sensomotorischen Entwicklung im eigenen Raum. Die Kinder erkundeten grundlegende Bewegungen wie Stehen, Gehen, Rollen und Drehen und setzten sich aktiv mit den eigenen Sinnen auseinander. Spielerische Elemente wie das Verwandeln in Tiere oder das gemeinsame Bauen von Bewegungsformen förderten Körperbewusstsein, Fantasie und gegenseitiges Vertrauen.
In der zweiten Phase (Kursphase) wurden strukturierte Raumerfahrungen im vertrauten Umfeld der Kita ermöglicht. Hier entwickelten die Kinder kreative Strategien, um bekannte Räume neu zu entdecken. Sie bauten Bewegungslandschaften, gestalteten Tanzspiegelungen und setzten sich gezielt mit Fragen der Raumwahrnehmung auseinander (z. B. Lieblingsorte, beengte Räume, Atmosphäre). Schließlich führte uns der nächste Schritt in unbekannte Räume und den Außenbereich. Die Kinder verließen bewusst die gewohnte Umgebung und erforschten alternative Bewegungsformen im öffentlichen Raum. Durch Impulse wie unterschiedliche Tempi, Klangqualitäten und Bewegungsarten wurde das Körper-Raum-Verhältnis weiter differenziert. Höhepunkt dieser Phase war der Besuch einer anderen Kita, bei dem neue Räume mit den Augen und Bewegungen der Kinder entdeckt wurden.
In der dritten und abschließenden Phase (Intensivphase) stand der kreative Ausdruck im Mittelpunkt. Die Kinder reflektierten ihre Erfahrungen, entwickelten Visionen ihrer Traumräume und setzten diese tänzerisch um. Fantasieräume und imaginierte Bewegungslandschaften wurden gemeinschaftlich gestaltet und schließlich in einer dokumentarischen Präsentation zusammengeführt. Fotos, Bewegungsskizzen und gesammelte Aussagen der Kinder bildeten das Herzstück dieser abschließenden Phase.